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"OutWest", 2006–2008

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 Die Serie "OutWest" ist entstanden aus der Begegnung zwischen Christian Lutz und der Familie Davis. Im Auftrag einer Schweizer Filmproduktionsgesellschaft hielt er sich für einen Ortstermin in der Alvord-Wüste im US-Bundesstaat Oregon auf und fand dabei Interesse am Leben der Familie Davis, die in der Viehzucht tätig ist. Es ist die Geschichte des Zusammentreffens mit Paul, dem obersten Boss des Betriebs, und mit seinem Verwalter, dem Cowboy Mike. Es ist aber auch die Geschichte ihrer 3500 Rinder, die über eine Fläche von 160’000 Hektaren verteilt sind, und die Geschichte von Tony, der Gemahlin des Chefs, und ihrer fünf Kinder. Der Fotograf setzte sich während zweier Jahre (zwischen 2006 und 2008) intensiv mit der Familie auseinander: In dieser Zeitspanne besuchte er die Familie und die Alvord-Wüste, jenes Universum der modernen Cowboys, viermal.
Die Bildserie zeigt uns die Familie Davis und wie sie als Cowboys im Westen der USA lebt und arbeitet. Die Boots, die karierten Hemden und die Westernhüte, die sie tragen, bedienen Clichés. Aber Christian Lutz blickt tiefer. Er bringt uns diese in der Abgeschiedenheit der Wüste lebende Familie näher, die sich gegen eine lebensfeindliche Umwelt behaupten muss, aber gleichzeitig voller Begeisterung für ihre Arbeit ist. Die Bilder, die den Alltag der Familie einfangen, sind realistisch, manchmal sogar brutal. Das Leben, das die Familie führt, erscheint verglichen mit dem Leben, das die meisten anderen in Amerika führen, anachronistisch. Was der Fotograf besonders herausstreicht, ist die Koexistenz, das gleichzeitige Nebeneinander dieses ursprünglichen Amerikas mit der modernen amerikanischen Gesellschaft. Die Weite des Landes, der Raum, die Natur: Das ist der Lebens-Rahmen dieser Menschen, die aus einem Western stammen könnten – und doch nicht in das Genre passen. Die Verbundenheit der Familie mit dem american way of life ist unverkennbar, allerdings fehlt ihnen das Wissen und Können, diesen american way maximal zu ihren Gunsten nutzen zu können – sie verfügen nicht über die dazu notwendige Bildung. Am liebsten sind sie bei und mit ihren Tieren. Aus dieser Ambivalenz zwischen einer nicht zu bändigenden Natur und dem profunden Wissen über Tiere entsteht eine gegenseitig geteilte Energie – in, dank und mit dieser Energie leben die Cowboys fort.
In dieser Serie von Fotografien hinterfragt Christian Lutz das ursprüngliche Amerika, das in seinen eigenen Mythen erstarrt ist. Die Bilder zeigen genau den Schnittpunkt zwischen einem Phantasiebild des amerikanischen Westens und dem, was tatsächlich ist. Das eigentliche Thema verbirgt sich gleichsam hinter der Familie Davis und ihren Aktivitäten. Auf den Bildern werden einfache, schöne, essentielle und althergebrachte Momente festgehalten, ohne dabei einem ganz bestimmten Cliché zu verfallen, jenem Cliché von einem Amerika nämlich, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. (Fabienne Bideaud)


Christian Lutz (1973, Genève) est diplômé en photographie de l’Etablissement artistique "Le 75" à Bruxelles. Il s’est principalement intéressé à des sujets dans les Balkans, au Brésil, aux Etats-Unis, en Afrique de l’Ouest et en Suisse. Il a publié "Karpathos" aux Editions Ides et Calendes en 1999, AOC en collaboration avec le photographe Hughes de Wurstemberger aux Editions Infolio en 2005 et "Protokoll" aux Editions Lars Müller Publishers en 2007. Il est membre de l’agence Strates à Lausanne et de l’agence VU à Paris. Son travail intitulé "Protokoll" a été nominé au Prix européen 2007 de la Fondation HSBC pour la photographie, remporta le prix suisse de la photographie ewz-Selection 2008, le second prix Nicolas Bouvier et le prix allemand du livre. En 2009, il reçoit le Grand prix international de photographie de Vevey. www.strates.ch

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