© Nicolas Savary
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"G8", 2003

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 Schon Monate vor dem G8-Gipfel von 2003 in Evian wurde in den Medien der Romandie die Furcht vor gewaltsamen Ausschreitungen durch Globalisierungsgegner geschürt. Die Berichterstattung kreiste vor allem um die Kosten für öffentliche Sicherheit und um Fragen der Haftung bei den erwarteten Vandalenakten. Die Verunsicherung nahm ein solches Ausmass an, dass sich zahlreiche Geschäfte in den Innenstädten von Genf und Lausanne dazu entschlossen, ihre Schaufenster und Eingänge für die Dauer des G8-Treffens zu verbarrikadieren. Nicolas Savary fotografierte diesen aussergewöhnlichen Zustand in beiden Städten.
Blinde Flächen überall – was normalerweise darauf aus ist, zu verführen, weist den Blick jetzt ab. Statt kunstvoll beleuchteter Auslagen: rohe Verschalungsbretter. Der sonst unbeachtete Rahmen des Konsumspektakels, das Drum und Dran, drängt sich in die Wahrnehmung. Details an Hausfassaden springen ins Auge: Profilierte Simse, von jemandem liebevoll gestaltet. Schwarzer Sohlenabrieb von Millionen Schuhen. Graffiti. Billig gebaute Zweckarchitektur, hauchdünn mit Marmor verkleidet.
Unvermittelt konfrontieren Savarys Aufnahmen mit dem tatsächlichen Gesicht von Orten, durch die wir uns täglich bewegen, welche aber für uns kaum Existenz haben. Hunderte von Quadratmetern von Pressspan, gemasertem Sperrholz und honiggelben Verschalungsbrettern: Was aussieht wie moderne Kunst (Christo, Wolfgang Laib) hat seinen Ursprung in reinem Zweckdenken. Savarys Bilder dokumentieren die greifbaren Manifestationen der Habgier und der Angst. Es ist eine melancholische Szenerie, die sich uns darbietet. Und trotzdem hat die Realität, von Illusionen befreit, etwas Versöhnliches. (Simon Stähli)


Nicolas Savary (1971, Fribourg) a étudié les arts visuels à l’ECAL (Ecole Cantonale d’Art de Lausanne) jusqu’en 1998, pour ensuite enseigner au département d’architecture de l’EPFL (Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne) jusqu’en 2008. Il est aujourd’hui responsable du Département de Formation Supérieure de l’Ecole de photographie de Vevey. Savary vit et travaille à Lausanne en tant que photographe et plasticien. Ses travaux photographiques abordent souvent le rapport entre l’homme et l’architecture ; il travaille de préférence sur des projets interdisciplinaires et dans le cadre de projets liés à la recherche universitaire. Son travail a été récompensé à plusieurs reprises, il a notamment gagné le prix fédéral de design et le prix culturel Manor. Les oeuvres de Savary ont été exposées, entre autres, au Musée de l’Elysée à Lausanne et au PhotoforumPasquArt. www.nicolas-savary.ch

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