© Robert Huber
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"Beyoglu Queens", 2005

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 Robert Huber präsentiert uns eine Serie von Porträts, welche in einer ganz einfachen Form gehalten sind: klassische Büsten in einem Querformat, die Mehrheit der Gesichter sind frontal abgebildet. Keine Inszenierung, nichts Überflüssiges; ein schwarzer Hintergrund, die Nacht, als einziger Schmuck.
Dass die Konstruktion der Bilder so einfach gehalten ist, liegt vielleicht darin begründet, dass das Thema alles andere als einfach ist. Die Fotografien von diesen Transsexuellen verunsichern uns. Sie verwirren uns, da sie uns unausweichlich auf unsere eigene sexuelle Identität verweisen. Wie würde es sich anfühlen, körperlich, gefühlsmässig, wenn ich ein Mann / eine Frau wäre? Was sind die maskulinen und femininen Anteile in mir?
Von diesem Ausgangspunkt wird es spannend, wie bei allen Serien, vom ersten Blick aus weiterzugehen und die Gesichtszüge zu vergleichen, welche bei der einen harmonischer sind als bei der andern, die Augen, die Mundformen oder die Kleidung. Dafür muss man sie jedoch in ihren Kontext zurückführen. Diese Fotografien sind in Beyoglu aufgenommen worden, dem Vergnügungsquartier von Istanbul, welches den modebewussten westlichen Hauptstädten in nichts nachsteht. In dieser Stadt gehen Schleier und Mini-Jupe nebeneinander her, der Souk liegt unmittelbar neben Fashion Stores und das Nachtleben von Beyoglu wird von den strengen Rufen des Muezzin zum Gebet unterbrochen. Auch wenn die westliche Kultur im Istanbuler Leben einen wichtigen Platz einnimmt, ist die Mentalität immer noch eher traditionell. Zwischen 1980 und 1990 waren die Transsexuellen noch Opfer von polizeilicher Verfolgung. Selbst wenn die Gesellschaft seither toleranter geworden ist, bleiben die Transsexuellen Randständige. Da sie keine regelmässige und stabile Arbeit finden, arbeiten die meisten im Sexgewerbe. Was für ein Leben verbirgt sich also hinter diesen Gesichtern? Welcher Alltag? Was sind ihre Sorgen? Welche Zukunft erwartet sie im Rahmen dieser Gesellschaft? (Carine Steiner)


Robert Huber (1975, Zürich) hat die Ecole supérieure d’arts appliqués de Vevey (CEPV) besucht und 1995 sein Diplom in Fotografie erhalten. In seinen Reportagen hat er Themen bearbeitet wie ein Festival für christlichen Rock, eine Bombenfabrik, den Wiederaufbau von Kurdistan. Seine farbigen Gesellschafts-Dokumentationen drehen sich um die Gesellschaft von heute und die Religionen. 1998 ist Robert Huber nach New York gezogen und hat während sechs Jahren rund um die unterschiedlichsten Themen in den USA gearbeitet. Zusammen mit dem belgischen Fotografen Stephan Vanfleteren hat er 2001 das Werk Elvis & Presley herausgegeben. Verkleidet als Elvis Presley sind die beiden Fotografen durch die USA gezogen und haben sich gegenseitig fotografiert. Die Serie hat den World Press Award erhalten und wurde in ganz Europa ausgestellt. 2004 zog Huber von New York nach Istanbul und hat auch da verschiedene Facetten dieser Metropole fotografisch untersucht. Zur Zeit lebt er mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern in Zürich. www.roberthuber.com

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